Wo finden Stammzellen
Anwendung?
Kurz gesagt: Die wichtigste Stammzellen Anwendung ist heute die Transplantationsmedizin: Blutbildende Stammzellen aus dem Nabelschnurblut sind dort fest etabliert und werden bei über 80 Blut- und Immunerkrankungen eingesetzt, von Leukämien bis zu angeborenen Immundefekten, gemäss der Indikationsliste der EBMT. Mesenchymale Zellen aus Nabelschnurgewebe und Plazenta werden darüber hinaus in der regenerativen Medizin erforscht; zugelassene Standardtherapien gibt es in diesem Bereich derzeit noch nicht.
Für werdende Eltern in der Schweiz, die sich für die Einlagerung von Stammzellen ihres Neugeborenen interessieren, ist diese Unterscheidung zentral: Sie zeigt, was heute bereits therapeutisch genutzt wird, was noch Forschung ist und warum Stammzelleinlagerung für junge Familien als zusätzliche Vorsorge relevant sein kann.
Im Folgenden geht es um etablierte Anwendungen der Stammzelltransplantation, den Unterschied zwischen autologen und allogenen Transplantationen, den Forschungsstand zu mesenchymalen Stammzellen, den regulatorischen Rahmen in der Schweiz sowie häufige Fragen zur Anwendung von Stammzellen.
Etablierte Anwendung: die Stammzelltransplantation
Seit der ersten erfolgreichen Nabelschnurbluttransplantation 1988 (Gluckman et al., NEJM 1989) ist die Transplantation blutbildender Stammzellen fester Bestandteil der Medizin. Sie ersetzt ein krankes oder geschädigtes blutbildendes System durch gesunde Stammzellen. Die anerkannten Einsatzgebiete lassen sich in einige Gruppen einteilen:
Die vollständige, jeweils aktuelle Liste führt die EBMT (European Society for Blood and Marrow Transplantation).
Verzeichnis der mit Stammzellen behandelten Erkrankungen
akute lymphatische Leukämie (ALL)
akute myeloische Leukämie (AML)
akute biphänotypische Leukämie
gering differenzierte akute Leukämie
chronisch myeloische Leukämie (CML)
chronisch lymphatische Leukämie (CLL)
juvenile chronische myeloische Leukämie (JCML)
juvenile myelomonozytäre Leukämie (Naegeli-Leukämie) (JMML)
refraktäre Anämie (RA)
refraktäre Anämie mit Ringsideroblasten (RARS)
refraktäre Anämie mit Blastenüberschuss (RAEB)
refraktäre Anämie mit Blastenüberschuss in Transformation (RAEB-T)
chronische myelomonozytäre Leukämie (CMML)
aplastische Anämie (schwer)
Fanconie-Anämie
paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie (PNH)
akute Myelofibrose
Polycythaemia vera
Myelofibrose
essentielle Thrombozythämie
Non-Hodgkin-Lymphom
prolymphozytäre Leukämie
Hodgkin-Lymphom
Chediak-Higashi-Syndrom
Chronische Granulomatos (CGD)
Neutrophilen-Aktin-Mangel
Retikuläre Dysgenesie
Mukopolysaccharidosen (MPS)
Morbus Hurler (MPS-IH)
Morbus Scheie (MPS-IS)
Hunter-Syndrom (MPS-II)
Sanfilippo-Syndrom (MPS-III)
Morbus Morquio (MPS-IV)
Maroteaux-Lamy-Syndrom (MPS-VI)
Sly-Syndrom, Beta-Glucuronidasemangel (MPS-VII)
Adrenoleukodystrophie
Mukolipidose II
Morbus Krabbe
Morbus Gaucher
Niemann-Pick-Krankheit
Wolman-Krankheit
metachromatische Leukodystrophie
familiäre Lymphohistiozytose mit Erythrophagocytose
Histiozytose X
Hämophagozytose
β-Thalassaemia
Sichelzellenanämie
reine Erythroyztenaplasie
Ataxie-Telangiektasie
Kostmann-Syndrom
Leukozytenadhäsionsdefizienz
DiGeorge-Syndrom
Bare-lymphocyte-Syndrom
Omenn-Syndrom
schwerer kombinierter Immundefekt (SCID)
SCID durch ADA Mangel
SCID mit niedriger T- und B-Zellenzahl
SCID mit niedriger oder normaler B-Zellenzahl
variables Immundefektsyndrom
Wiskott-Aldrich-Syndrom
X-chromosomale Lymphoproliferative Erkrankung
Lesch-Nyhan-Syndrom
Knorpel- und Haarhypoplasie
Glanzmann-Thrombasthenie
Osteopetrosis (Marmorknochenkrankheit)
Amegakaryozytose (angeborene Thrombozytopenie)
multiples Myelom
Plasmazellenleukämie
Morbus Waldenström
Brustkrebs
Ewing-Sarkom
Neuroblastom (embryonales Gangliocytom)
Nierenkrebs
Autologe und allogene Transplantation
Man unterscheidet zwei Grundformen: Bei der autologen Transplantation erhält die Patientin oder der Patient die eigenen Zellen zurück. Bei der allogenen Transplantation stammen die Zellen von einer anderen Person, zum Beispiel von einem Familienmitglied oder aus einer Spende. Welche Form infrage kommt, hängt von der Erkrankung, der Gewebekompatibilität und der individuellen Situation der Patienten ab.
In Erforschung: regenerative Medizin
Neben der etablierten Transplantation wird der Einsatz mesenchymaler Stammzellen aus Nabelschnurgewebe und Plazenta in einem breiten medizinischen Feld untersucht, etwa bei Gelenk- und Knorpelschäden, nach Schlaganfall, bei Parkinson-Krankheit oder bei Diabetes mellitus Typ 1. Diese Anwendungen laufen in klinischen Studien und sind noch nicht als Therapie zugelassen; dabei werden mesenchymale Stammzellen unter anderem wegen ihrer entzündungshemmenden Rolle untersucht, ein gesicherter Nutzen ist aber noch zu belegen. Beispiele solcher Studien haben wir unter den Quellen verlinkt (ClinicalTrials.gov).
Solche Ansätze dienen nicht nur der Behandlung: In der Stammzellenforschung werden Zellen auch zur Krankheitsmodellierung im Labor und für die Wirkstoffforschung eingesetzt; induzierte pluripotente Stammzellen lassen sich dafür aus Körperzellen erzeugen. Ethische Bedenken können je nach Art und Herkunft der Stammzellen eine Rolle spielen, insbesondere bei embryonalen Stammzellen.
Stammzellen in der Schweiz
In der Schweiz ist die Stammzelltransplantation bei den etablierten Indikationen Teil der regulären Versorgung. Blutstammzellbanken unterliegen den Vorgaben von Swissmedic und dem Bundesamt für Gesundheit (BAG). Die rechtlichen Rahmenbedingungen der Stammzellenforschung unterscheiden sich je nach Land; so gelten beispielsweise in der Schweiz, Deutschland und England unterschiedliche regulatorische Vorgaben. Kommerziell zugelassene Therapien mit mesenchymalen Stammzellen gibt es hierzulande derzeit nicht; im breiteren Bereich der Stammzellenanwendungen kommen diese Zellen in der Schweiz vor allem in der Forschung und nicht in der regulären Behandlung zum Einsatz.
Von der Gabe von Stammzellen profitieren auch Patienten, die an neurologischen Erkrankungen wie Autismus oder infantiler Zerebralparese leiden.
Video: Stammzelltherapien – Anwendungen, Forschung und Zukunft der regenerativen Medizin
Dieses Video gibt einen kompakten Überblick über moderne Stammzelltherapien, ihre medizinischen Anwendungen und aktuelle Entwicklungen in der regenerativen Medizin. Die Famicord Group gehört zu den führenden Anbietern in der Stammzellmedizin im Bereich hämatopoetischer und mesenchymaler Stammzellen und verfügt über umfangreiche klinische Erfahrung.
In der Stammzelltherapie existieren inzwischen über 80 zugelassene therapeutische Anwendungen, die ein breites Spektrum von Erkrankungen abdecken – darunter Leukämien, Autoimmun- und neurologische Erkrankungen sowie seltene genetische und immunologische Störungen. Ziel dieser innovativen Behandlungsansätze ist es, Lebensqualität, Regeneration und Heilungschancen nachhaltig zu verbessern.
Erfahren Sie mehr über aktuelle Forschung, neue Therapieoptionen und zukünftige Einsatzmöglichkeiten von Stammzellbehandlungen in der modernen Medizin.
Häufig gestellte Fragen
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Bei wie vielen Krankheiten werden Stammzellen eingesetzt?
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Werden Stammzellen schon gegen Autismus oder Zerebralparese eingesetzt?
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Kann mein Kind seine eigenen Zellen nutzen?
Weiterführende Informationen
• Überblick über die Zelltypen: Stammzellen-Typen – je nach Zelltyp können Stammzellen aus unterschiedlichen Quellen gewonnen werden, darunter Knochenmark, Fettgewebe und Nabelschnurblut. Erfahren Sie mehr über verschiedene Stammzelltypen, ihre Eigenschaften und ihre Herkunft.
• Mehr zur Nabelschnur: Stammzellen aus der Nabelschnur
• Lohnt sich die Einlagerung? Warum lohnt es sich
Quellen
• EBMT (European Society for Blood and Marrow Transplantation) – Indikationsliste zur Blutstammzelltransplantation, ebmt.org
• Gluckman E. et al., New England Journal of Medicine (1989) – erste erfolgreiche Nabelschnurbluttransplantation (Paris, 1988)
• Swissmedic (swissmedic.ch) und Bundesamt für Gesundheit / BAG (bag.admin.ch) – regulatorischer Rahmen in der Schweiz
• ClinicalTrials.gov – registrierte Studien zu mesenchymalen Stammzellen, u. a. NCT03158896 und NCT04453111. Übersicht: clinicaltrials.gov
Autor: FamiCord Suisse · Erstellt vom wissenschaftlichen Team auf Basis der EBMT-Leitlinien · Zuletzt aktualisiert am [13.10.2026] · Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.