Stammzellen
Typen
Stammzellen-Typen: Arten, Herkunft und Anwendung im Überblick
Kurz gesagt: Man unterscheidet Stammzellen danach, wie viele Zelltypen aus ihnen noch entstehen können (totipotent, pluripotent, multipotent, unipotent) und woher sie stammen. Rund um die Geburt zählen vor allem zwei: die hämatopoetischen Stammzellen aus dem Nabelschnurblut, aus denen das ganze Blut- und Immunsystem hervorgeht, und die mesenchymalen Stammzellen aus Nabelschnurgewebe und Plazenta, die sich zu Knochen, Knorpel, Muskel und Bindegewebe entwickeln können.
Was sind Stammzellen?
Stammzellen Typen werden nach ihrem Entwicklungspotenzial in totipotente, pluripotente, multipotente und unipotente Stammzellen eingeteilt. Stammzellen sind gewissermassen der Rohstoff des Körpers: Zellen, die sich selbst vermehren und zugleich zu spezialisierten Zellen heranreifen können. Deshalb sind sie für Wachstum und Regeneration so wichtig. Für werdende Eltern in der Schweiz, die sich für die Einlagerung von Stammzellen aus Nabelschnurblut, Nabelschnurgewebe und Plazenta interessieren, ist vor allem ein Unterschied entscheidend: Bei der Geburt stehen vor allem multipotente Stammzellen im Fokus – hämatopoetische Stammzellen aus Nabelschnurblut sowie mesenchymale Stammzellen aus Nabelschnurgewebe und Plazentagewebe. Was die einzelnen Arten unterscheidet, ist vor allem die Frage, wie viele verschiedene Zelltypen aus ihnen noch werden können. Genau darum geht es hier: um die verschiedenen Stammzellen-Typen, ihre Herkunft, ihr Entwicklungspotenzial, ihre heutigen Anwendungen und den Forschungsstand – insbesondere rund um hämatopoetische und mesenchymale Stammzellen. Das ist für werdende Eltern relevant, weil die Einlagerung dieses biologischen Materials eine präventive Option sein kann und bereits bei über 80 Krankheiten, vor allem Blut- und Immunerkrankungen, therapeutische Bedeutung hat.
Einteilung nach Entwicklungspotenzial: pluripotente Stammzellen und andere Typen
• Totipotent: die befruchtete Eizelle und die allerersten Zellteilungen. Aus ihnen kann ein vollständiger Organismus samt Plazenta entstehen.
• Pluripotent: embryonale Stammzellen, also pluripotente Stammzellen, die nur in der Blastozyste, einem sehr frühen Entwicklungsstadium des Embryos, vorkommen. Sie können sich zu nahezu allen Zelltypen des Körpers entwickeln, zum Beispiel zu Nerven-, Muskel-, Blut- oder Hautzellen. Einen vollständigen Organismus können sie jedoch nicht bilden. Seit 1998 können embryonale Stammzellen auch im Labor gezüchtet und dort über lange Zeit vermehrt werden.
• Multipotent: Dazu gehören Stammzellen aus Nabelschnurblut, Nabelschnurgewebe, Plazenta oder Knochenmark. Im Gegensatz zu pluripotenten Stammzellen können sie sich nicht zu nahezu allen Zelltypen des Körpers entwickeln. Sie sind bereits stärker spezialisiert und können sich je nach Stammzelltyp zu verschiedenen, miteinander verwandten Zelltypen weiterentwickeln.
• Unipotent: Zellen, die nur einen einzigen Zelltyp nachbilden; im Unterschied zu Vorläuferzellen gelten oligopotente Stammzellen als Zwischenstufe und können sich noch in wenige Zelltypen entwickeln.
Die Zellen, die man bei der Geburt gewinnt, sind multipotent. Ihr Vorteil liegt darin, dass sie jung sind und sich bereitwillig teilen. Und anders als embryonale Stammzellen wirft ihre Gewinnung keine ethischen Fragen auf.
| Herkunft | Hauptzelltyp | Wichtige Eigenschaften | Status der Anwendung | Gewinnung |
|---|---|---|---|---|
| Nabelschnurblut | Hämatopoetische Stammzellen | Bilden alle Blut- und Immunzellen; geringere Anforderungen an die Gewebekompatibilität (HLA) | Etabliert – Transplantation bei Blut- und Immunerkrankungen | Nach der Abnabelung, schmerz- und risikofrei |
| Nabelschnurgewebe (Wharton-Sulze) | Mesenchymale Stammzellen | Können sich zu Knochen, Knorpel, Muskel und Bindegewebe entwickeln; beeinflussen das Immunsystem | In Erforschung – zahlreiche klinische Studien | Aus einem kurzen Nabelschnurabschnitt |
| Plazenta | Mesenchymale (und weitere) Stammzellen | Sehr hohes Vermehrungspotenzial, junge Zellen | In Erforschung | Aus dem Gewebe der Plazenta |
Die zwei entscheidenden Typen
Hämatopoetische (blutbildende) Stammzellen stammen aus dem Nabelschnurblut und funktionieren ähnlich wie die im Knochenmark. Als Blutstammzellen bilden sie täglich rund 200 Milliarden Erythrozyten. Aus ihnen entsteht das gesamte Blut- und Immunsystem, und sie sind die Grundlage der etablierten Stammzelltransplantation.
Mesenchymale Stammzellen sitzen im Nabelschnurgewebe – der Wharton-Sulze – und in der Plazenta. Sie können sich zu Knochen, Knorpel oder Muskeln entwickeln und wirken auf das Immunsystem. Ob und wo sie therapeutisch nützen, wird zurzeit in Studien untersucht.
Etabliert oder noch in Erforschung?
• Etabliert: Die blutbildenden Stammzellen aus Nabelschnurblut werden seit der ersten erfolgreichen Transplantation 1988 (Gluckman et al., NEJM 1989) bei über 80 Erkrankungen eingesetzt, darunter in etablierten Stammzell-Therapien der Transplantationsmedizin für Patienten mit Blut- und Immunerkrankungen wie Leukämien, Lymphomen oder angeborenen Immundefekten. Welche Erkrankungen dazugehören, regelt die Indikationsliste der EBMT.
• In Erforschung: Mesenchymale Stammzellen aus Nabelschnurgewebe und Plazenta werden derzeit in klinischen Studien für verschiedene medizinische Anwendungen untersucht. Im Unterschied zu blutbildenden Stammzellen aus Nabelschnurblut sind diese Anwendungen noch nicht Teil der etablierten medizinischen Praxis. Ihre Sicherheit und Wirksamkeit für die jeweiligen Anwendungsgebiete werden weiterhin wissenschaftlich untersucht. Beispiele entsprechender klinischer Studien finden Sie unter den Quellen (ClinicalTrials.gov)
Weiterführende Informationen
• Zu den blutbildenden Zellen: Stammzellen aus der Nabelschnur
• Zu den Gewebezellen der Plazenta: Stammzellen aus Plazentagewebe
• Wobei Stammzellen helfen: Wo finden Stammzellen Anwendung
• Lohnt sich die Einlagerung? Warum lohnt es sich
• Optionen und Preise der Einlagerung in der Schweiz: famicord.ch/optionen
Häufig gestellte Fragen
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Welche Stammzellen-Typen kann man einlagern?
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Was ist der Unterschied zwischen hämatopoetischen und mesenchymalen Stammzellen?
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Sind das embryonale Stammzellen?
Was kostet die Einlagerung von Stammzellen?
Video: Was sind Stammzellen aus Nabelschnur und Plazenta?
Dieses Video gibt einen kompakten Überblick über perinatale Stammzellen aus Nabelschnur und Plazenta, ihre Herkunft, Eigenschaften und ihr medizinisches Potenzial für aktuelle und zukünftige Therapien.
Stammzellen sind grundlegende, nicht spezialisierte Körperzellen, die sich regenerieren, vermehren und zu verschiedenen Gewebetypen entwickeln können. Perinatale Stammzellen werden sicher bei der Geburt aus Plazenta, Nabelschnurblut und Nabelschnurgewebe gewonnen und besitzen ein hohes regeneratives Potenzial. Sie können vom Kind selbst, von Familienmitgliedern oder für andere Patientinnen und Patienten genutzt werden. Während Nabelschnurblut vor allem Blut- und Immunsystem unterstützt, enthält Nabelschnurgewebe Zellen zur Bildung von Knochen, Knorpel und Muskel. Auch die Plazenta bietet vielversprechende Stammzellen für zukünftige Therapien – insgesamt eine einmalige Chance, natürliche Heilungskräfte frühzeitig zu sichern.
Quellen
• EBMT (European Society for Blood and Marrow Transplantation) – Indikationsliste zur Blutstammzelltransplantation, ebmt.org
• Gluckman E. et al., New England Journal of Medicine (1989) – erste erfolgreiche Nabelschnurbluttransplantation (Paris, 1988)
• Swissmedic (swissmedic.ch) und Bundesamt für Gesundheit / BAG (bag.admin.ch) – regulatorischer Rahmen und Blutstammzellspende in der Schweiz
• ClinicalTrials.gov – registrierte Studien zu mesenchymalen Stammzellen aus Nabelschnurgewebe/Plazenta, u. a. NCT03158896 (Wharton-Sulze-MSC bei akuter GvHD, abgeschlossen), NCT04520945 und NCT04453111 (Kniearthrose). Laufende Übersicht: clinicaltrials.gov
Autor: FamiCord Suisse · Zuletzt aktualisiert am [10.05.2026] · Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.